24h RTW…

Juni 11, 2009

… hatte ich mal wieder vor 10 Tagen. Um es vorweg zu nehmen: 4 Einsätze, davon 2 Notfalleinsätze. Also alles sehr ruhig.

Der erste Einsatz beendete unseren Besuch auf der NEF Wach und führte uns 1km weiter. Gemeldet war eine „TIA“, eine Abkürzung für „transitorische ischämische Attacke“ womit unsere Leitstelle öfters versucht uns eine neurologische Erkrankung aufzuschwatzen. Vor Ort bestätigte sich jedoch der Verdacht, jedoch war die Ursache eine andere (die bei diesem Krankheitsbild gar nicht mal so selten ist): Hypertonie. Mit Drücken um die 190 ging es in das 3 Minuten entfernte Krankenhaus. Danach durfte der Praktikant noch die Trage putzen, da der Blutdruck wohl auch etwas gegen die Nudelsuppe hatte, die jetzt fast unverdaut auf unserer Trage lag… :-kotz

Dann piepste es zum nächsten „Notfall“. Als der Text auf das Navi kam und ich die Meldung las, konnte ich mich wirklich nicht mehr halten: „demente Omi aus KH entlaufen – geht die mal suchen und wieder einfangen“. Da mein Kollege grade aber die Leitstelle anfunkte, konnte jeder im Kreis mein herzhaftes Lachen hören, was der Disponent, der mich kennt, zum Anlass nahm und uns postwendend nach Abschluss des Einsatzes einen Krankentransport aufdrückte.

Nicht so schlimm, denn auf dem Rückweg kamen wir an mehreren Eisdielen vorbei und entschieden uns, dort doch kurz zu verweilen… Ich traf einen Freund mit dessen besseren Hälfte und während wir da so saßen, uns die Sonne auf den Pelz scheinen ließen, das Eis genossen und ein wenig plauderten, piepste es zum ersten und letzten wirklichen Notfall. Also schnell verabschiedet, rein in´s Auto und die 3 gedrückt. Meldung „Krankentransport“. WTF??? Schon wieder? Dann wurden wir durch die LST mit Frage Standort angefunkt. Denn es hatte 2 km weiter einen Verkehrsunfall mit 2 PKW gegeben und es war nicht so ganz klar was wir jetzt machen sollten. Schließlich wurden wir dann 10 km weiter geschickt zu „Verbrennung, Hausarzt vor Ort ;-). Nicht ganz klar war zunächst was schlimmer war, die Verbrennung oder der Hausarzt :D.

Nach 7 Minuten konnte ich die vier drücke, schnappte mir Handschuhe und ging auf die Haustüre zu, während ich mir die Handschuhe anzog und sich mein Kollege sowie der Prakti Sauerstoff, Rucksack und Defi schnappten. Der Patient kam mir auf wackeligen Beinen allerdings schon in Begleitung seiner aufgeregten Frau und der gelangweilten Ärztin entgegen. Also direkt ohne Umwege in den RTW und erstmal mit der Anamnese angefangen. Beim Wechsel einer größeren Propangasflasche hatte er vergessen, den Lötkolben zu entfernen. Es kam zu einer größeren Verpuffung in deren Folge er einer Stichflamme ausgesetzt wurde. Ergebnis der ersten oberflächlichen Sichtung: Verbrennung ersten und zweiten Grades an den Händen (Die Haut hin ihm wie zerfetzte Handschuhe von den Fingern). Das Gesicht war ebenfalls zum größten Teil erstgradig Verbrannt, die linke Gesichtshälfte zum Teil zweitgradig. Die Haare und Wimpern waren versengt, also inspizierte ich auch den Mund/Rachenraum auf beginnenden Ödembildung/starke Rötung (Folge eines Inhalationstraumas, was sehr schnell, sehr böse Probleme mit der Atmung machen kann -> Erstickung durch Atemwegszuschwellung).Zusätzlich versorgte mein Kollege die Hände mit dem Burnpack®-Verbandsmaterial, was kühlend wirkt und kühlte es zusätzlich mit Infusionslösungen.

Mein Kollege wollte aufgrund der Kreislaufsituation einen Zugang legen, die Hausärztin hielt das zunächst nicht für indiziert… :-top *ironie*. Auf die Frage, was sie denn gegen die Schmerzen geben wollte fragte sie nach den vorhandenden Analgetika. „Ketanest hammwa!“ Das kannte sie nicht, also gabs auch nix (Meinen Dosierungsvorschlag nahm sie nicht an, ist aber auch nicht schlimm, ich würde als Arzt auch nicht etwas spritzen was ich nicht kenne). Dafür wollte sie dann aber eine HES anhängen, die aber bei Verbrennung ganz klar kontraindiziert ist (Eiweiße der Lösung gehen in das Verbrennungswundgebiet und sorgen da durch ihr „Flüssigkeitsanziehende Wirkung“ für eine Ödembildung und das wollen wir ja nicht). Also kurz nachgefragt ob es mit den Schmerzen geht, der Patient äußerte nur leichte Schmerzen also gings mit Sonderrechten in die Uniklink, die als einzige im Umkreis über ein Verbrennungszentrum verfügt. Das ist indiziert, sobald eine bestimmte Größe der Körperoberfläche verbrannt ist. Das traf auf unseren Patienten zwar nicht zu, jedoch ist ein Transoprt auch bei Verbrennungen von Gesicht und gelenksnahen Köperpartien indiziert (= Hände).

Übergabe im Verbrennungszentrum, zurück auf die Wache und Pokalfinale geguckt. Die Nacht durften wir durchschlafen. Insgesammt eine der ruhigsten Schichten die ich je hatte.


Es geht weiter…

Mai 28, 2009

In den letzten Wochen ist es hier doch sehr ruhig geworden. Es schauen aber trotzdem imm wieder Leute vorbei und das motiviert mich, noch mal ein paar Beiträge zu verfassen. Am Samstag steht nach über zwei Monaten RTW Abstinenz wieder eine 24 Stunden Schicht an. Ich hatte private Probleme und nicht zuletzt steht auch noch das Examen in der Ausbildung vor der Tür (nur noch 2 Monate!!). Da tut sich aber grade einiges… dazu aber später mehr…

Stay tuned…


Lieber früh als zu spät – Patientenverfügung vs. Maximaltherapie

Mai 3, 2009

Das Thema Patientenverfügung ist ein sehr komplexes Thema. Ich möchte gar nicht groß auf Thema an sich eingehen, sondernauf einen Fall, der sich letzte Woche in meinem Krankenhaus abgespielt hat (Namen sind wie immer rein fiktiv).

Herr Großbach liegt auf einerNormalstation eines peripheren Krankenhauses, als er über zunehmden Schwindel und Schwäche berichtet. Herr Großbach ist seit längerem durch verschiedene Krankheiten in seinem Denken und Handeln stark eingeschränkt, er benötigt bei fast allem Hilfe.
Die Ärzte vermuten die Ursache für die Symptome in einer ausgeprägten Bradykardie (niedrige Herzfrequenz [<50 Schläge/min.]) und wollen den Patienten in unser Haus verlegen, da wir über eine gute Kardiologie verfügen, die sich u.a. auf Schrittmacherimplantationen speziealisiert hat. Es soll also ein Gerät eingesetzt werden, dass dem Herz die Frequenz vorgibt, damit es nicht mehr zu langsam schlägt. Per arztbegleitetem Intensivtransport wird der Patient vormittags zu uns verlegt. Die Tochter kommt ebenfalls um für Rückfragen zur Verfügung zu stehen, denn Herr Großbach kann keine adäquaten Antworten mehr geben bzw. Entscheidungen treffen. Die Tochter ist der gesetzliche Betreuer (d.h. sie trifft die Entscheidungen für ihren Vater bezüglich seiner Behandlung).
Die Tochter wünscht die Schrittmachertherapie und so wird der Patient vorerst auf eine kardiologische Überwachungsstation verlegt, die Tochter fährt nach Hause. Den Rest des Beitrags lesen »


*Update* Rettungsdienst-Konserve

April 29, 2009

In einem früheren „Rettungsdienst-Konserve“ Post ging es um die erfolgreiche Reanimation eines Patienten, der im weiteren Verlauf auch in das Krankenhaus meines Hauptarbeitgebers verlegt wurde.

Heute habe ich einen seiner Söhne, der auch während der Notfallsituation anwesend war, im Kaufland wiedergetroffen. Er berichtete mir, dass sein Vater sich mitlerweile nach einer gut überstandenen Bypass-OP in der Rehabilitation befindet. Neurologische Defizite gibt es keine…

Das freut mich natürlich sehr und man ist auch stolz darauf, Teil des Teams gewesen zu sein, der den Mann ins Leben zurückgeholt hat…

Ich weiss noch ganz genau, wie ich den Knopf für die Schockabgabe bei der Defibrillation gedrückt hatte und das Flimmern in eines astreinen Sinusrhythmus überging…

Man „produziert“ eben nicht nur hirntote Wachkomapatienten…


Wiedersehen macht Freude (bringt Tiefkühlkost)….

April 24, 2009

Gestern klingelt es an meiner Tür.

Rettungsrambo: „Guten Tag, Firma Bofrost, Rettungsrambo mein Name.“
Krankenhausblogger: „Hallo Rettungsrambo, kennste mich nicht mehr?“
Rettungsrambo: „Bist du nicht auch RTW gefahren?“
Krankenhausblogger: „Ja genau, ich wusste das du vor 1 1/2 Jahren aufgehört hast aber nicht das du jetzt bei Bofrost arbeitest! Wie geht´s?“
Rettungsrambo: „Gut soweit. Ich musste ja damals aufhören, da ich nen Bandscheibenvorfall hatte und das nie wieder richtig besser geworden ist.“

Soweit der (sehr gekürzte) Dialog. Der Rettungsrambo ist eigentlich kein Rambo gewesen, jedoch wollte er immer alles selber und am besten gleichzeitig machen (gibt da ne Story, dass er den z.B. mal den Notarzt nachgefordert hat, während er die Herzdruckmassage durchgeführt hat und gleichzeitig dem Sani gesagt hat, wass er jetzt tun soll…).

Den Bandscheibenvorfall hat er sich geholt, als er NEF gefahren ist und zur Analgesie nachgefordert wurde. Ein Junge, 16 Jahre, hatte sich das Sprunggelenk gebrochen und brauchte ein Schmerzmittel. Beim Transport des Patienten in den RTW hat er dann eine Bandscheibe den Geist aufgegeben. Der Pubertierende brachte nämlich schlappe 150kg auf die Waage!!!

Und jetzt fährt er halt hypotherme Lebensmittel durch die Gegend, anstatt wiederbelebter Patienten mit milder Hypothermie:S


Kollaps eine viertel Stunde vor Feierabend (20:30 Uhr)

April 24, 2009

Frau Müller (wie immer Name geändert) kam vor drei Tagen mit der Aufnahmeverdachtsdiagnose „Koprostase„, der sich dann im Verlauf als mechanischer Ileus entpuppte. Nach dem Chirurgischen Konsil durch eine Oberärztin wurde die Indikation zur Not-OP gestellt und ich mit der Vorbereitung eben dieser beauftragt.

Frau Müller hatte bereits eine Magensonde liegen, worüber bisher knapp 3 Liter Mageninhalt abgelaufen waren, zudem hatte sie in den letzten Tagen wegen der abdominellen Beschwerden werder viel gegessen noch getrunken. Bis dato war sie wach und orientiert, die Vitalparameter in Ordnung. Ich zog ihr Thrombosestrümpfe an und bat sie dann, sich auf die Bettkante zu setzen, um ihr beim ausziehen der Kleidung und dem Anziehen des OP-Hemdes zu helfen. Den Rest des Beitrags lesen »


Spruch des Tages von vor ein paar Tagen…

April 23, 2009

Beim Aufnahmegespräch einer Patientin (Namen natürlich wie immer frei erfunden):

Krankenhausblogger: „Frau Müller, haben sie einen gesetzlichen Betreuer?“
Frau Müller: „NEEE… Mein Sohn putzt jeden Tag bei mir!“

:rofl: