Exkurs: Katecholamine

Januar 27, 2009

Aus gegebenem Anlass (Teil 1 und Teil2) und der Tatsache, das ich noch kein bisschen müde bin (00:58 Uhr…) hab ich mal den großen Silbernagel (ultimatives Physiologiebuch für das Medizinstudium), ein Anästhesie-/Intensivmedizinbuch und diverse einschlägige Internetseiten aufgeschlagen um euch die Funktion der Katecholamine am Herz-Kreislaufsystem (das ich als bekannt voraussetze ;-) )näherzubringen.

Katecholamine (das bekannteste dürfte das Adrenalin sein) sind Hormone, die an verschiedenen Rezeptoren (s.u.) eine anregende (aktivierende) Wirkung haben.
Diese Rezeptoren sind die Alpha und die Beta-Rezeptoren.

adrenalin_ampulle

Die Alpha-Rezeptoren bewirken bei einer Stimulation eine Konstriktion (Verengung) in den Blutgefäßen, so dass es zu einem Anstieg des Blutdrucks kommt.

Die Beta-Rezeptoren werden in Beta1 und Beta2 Rezeptoren unterschieden:
Beta1-Rezeptoren  führen zu einer Steigerung der Herzkraft (=positiv inotrop). Daraus resultiert eine Steigerung des Schlagvolumens (Auswurf pro Herzschlag) und somit auch des Herzminutenvolumens (Schlagvolumen x Herzfrequenz).
Beta2-Rezeptoren führen bei Stimulation zu einer Weitstellung der Bronchien in der Lunge und der Gefäße (Blutdruckabfall). Zudem wirken sie positiv inotrop (Herzkraftsteigernd) und regen den Stoffwechsel an.

Man spricht auch von Sympathomimetika, da sie den sympathischen Teil des Nervensystems ansprechen.

Kommt es zu einer sympathischen Erregung (z.B. Stress) werden die systemischen Katecholamine Adrenalin und Noradrenalin freigesetzt. Diese führen zu Wirkung auf das Herz (Frequenzanstieg) und auf die Gefäße (Konstriktion = Steigerung des Blutdrucks).Es findet eine bessere Durchblutung statt.

Im Falle von Herrn H. hat die Sepsis (Blutvergiftung) zu einem dramatischen Einbruch des Blutdrucks geführt. Die Entzündungsreaktion im Körper hat Stoffe freigesetzt, die nun die Gefäße in der Peripherie weitstellen, so dass kein ausreichender Blutdruck aufgebaut werden kann. Die Therapie besteht natürlich in der Bekämpfung der Erreger, in der Akutphase muss jedoch zunächst der Blutdruck stabilisiert werden, da es sonst sehr schnell zu einem Kreislaufversagen kommen wird.
Um den Blutdruck anzuheben, wurden Arterenol und Dopamin über Spritzenpumen (Perfusor) verabreicht. Die Dosierung liegt im Milliliterbreich, so dass man Katecholamine nicht einfach frei über eine normale Infusion laufen lassen kann.

*bitte beachten*