Heute wieder Spätdienst gehabt, der letzte vorerst, jetzt gibts erstmal vier Tage frei. Schön Geschenke kaufen (auch welche für mich
), chillen und evtl. mit einem ersten “Blogbeitrag Pathophysiologie” anfangen.
Der Dient fing an wie die letzten beiden auch. Halbes Stündchen Übergabe, dann Antibiosenrunde. Viele Antibiotika gibt es mehrmals täglich (z.B. 7, 14, 21 und 4 Uhr). Zum Glück hatte der Frühdienst es geschafft, alle vorzubereiten, daher schnell die 5 Infusionen geschnappt, Patienten überprüft und angehangen. Dann Antibiosen für Nachtmittags und Abends vorbereitet. Einige Antiobiotika liegen als Trockensubstanz in einer Glasflasche vor, so dass man erstmal über eine Art Steckverbindung diese Flasche mit steriler Kochsalzlösung füllen muss. Das ganze kann bei insg. 36 Pat., von denen mehr als die Hälfte AB (Antibiose) erhalten muss, schonmal gut und gerne 20 Minuten dauern. Dann kurz Verbrauchsmaterial auffüllen, Botengänge erledigen und, natürlich, das Hauptgeschäfft, die Patienten. Denen fiel heute nix besseres ein, als ohne Unterlass und Gnade für den armen Krankenhausblogger, besagte zu drücken, so dass ich permanent auf den Beinen war. Die Praktikantin, die mit mir Dienst hatte, ist erst 16 und konte nicht wirklich helfen, obwohl sie schon seit 2 Monaten auf Station arbeitet (und wegen Jugenschutz bla bla auch um 20:00 Feierabend hat haben muss).
Wie dem auch sei, ich komm immer besser zurecht, weiss jetzt wer wann und wie mobilisiert werden darf etc. . Krönung war dann eine junge Pat. (15 J.), die vorgestern mit unkl. abdominellen Schmerzen kam, V.a. Appendizitis. Verlauf war aber soweit unauffällig, so dass heute ein Gyn-Konsil geplant war, was auch relatib spät stattgefunden hat (ca. 17 Uhr). Sie sollte trotzdem weiterhin nüchtern bleiben, für Infusionen hatte ich gesorgt, dass wenigstens das Durstgefühl nicht ganz so stark war. Um halb 8 abends kam dann das Okay vom Arzt, was essen zu dürfen. Auch toll von denen, das um die Uhrzet zu entscheiden, dass hätte auch wesentlich früher gehen können. Aber das ist nunmal Krankenhaus. Punkt.
Lieb, nett und voller Mitleid für die arme Patientín bin ich sogleich in die Küche gestiefelt, um das tollste Schonkostessen zu kreieren, was mein Krankenhaus (respektive die Pat.) je zu Gesicht bekommen hat. Als da wären: 3 Scheiben Weißbrot, Schmierwurst und Schmierkäse div. Sorten zur Auswahl, 2 Babybel (dieses Käsezeug, wollt ich mir eignetlich selber reinziehen), ein Joghurt, Maragarine und eine Marmelade (jaja, so richtig Schonkost ist das nicht, so richtig krank ist die Patientin aber auch nicht). Dazu einen heißen Tee (sebstverstänldich hab ich auch direkt mehrer Sorten mit ins Zimmer genommen, damit sie sich den leckersten aussuchen konnte).
Ich betrete mit einem breiten Grinsen das Zimmer und spekuliere schon, wie sie mir wohl ihre Dankbarkeit zum Ausdruck bringen würde, angesichts dieses Festmahls und der Tatsache, einen ganzen Tag lang nix zum beißen gehabt zu haben. Welch Festschmaus. Ich kredenze das exquisite Menue auf den Tisch und sehe plötzlich auf einer Tüte ein großes goldenes M. Gleichzeitig vernehme ich ihre Stimme, die da sagt: “Neeeeee, mag ich nicht. Aber macht nix, meine Freunde haben mir was von McDonald´s mitgebracht.”

Ja ne, is klar Schätzelein…
Ich wünsche mir, ich dürfte ihr die Thrombosespritze doch geben, aber nicht mit ner kleinen Subcutannadel, sondern mit so einer wie der Perfusorspritze…
Die pikst nicht, die stanzt richtig Löcher… *MUAHAHAHAHA*
Bevor ich ganz den Verstand verliere, vergesse ich all meine laut neuem Krankenpflegegesetz verlangte Aufklärungsarbeit und verlasse mit den Worten “Hau rein!” den Raum.
Falls sie kotzt, dann im Nachtdienst… mir Schnuppe. Aber sowas von. Ich hab Frei!
Joar, nach dem Aufreger, durft ich ne knappe Stunde früher gehen. Also schnell umziehen und ab zur Uniklinik, da wartet eine Rettungsdienstfortbildung. Ist zwar schon halb 9 und Anfang war um 5… aber vll kriegt man ja noch ne Bescheinigung. 3 km weiter im Hörsaal der Uni ein paar Kollegen getroffen, einen Vortrag über eine neue Studie zum Atemwegsmanagement bei Reanimation bei uns im Kreis/Stadt gehört und eine Bescheinigung über 1/2 5 STUNDEN kassiert! Genau die fehlten mir, jetzt hab ich 30 Stunden und darf also nächstes Jahr weiterfahren, ohne erst Stunden nachholen zu müssen. Klasse. Balsam für die Seele. Ich überlege nach McDonald´s zu fahren…
Letzendlich lande ich bei meinen Eltern und kriege eine Tasse Tee.
[...] haben wir glücklicherweise relativ viel zu tun. So vergeht die Zeit im Krankenhaus recht schnell. Atempausen sind Fehlanzeige. Mitunter kann sich der Spätdienst aber auch ziehen [...]