Folgende Situation:
Eine Patienten (~70 Jahre alt) wurde am zweiten post-OP Tag von ITS (Intensivstation) auf unsere Station (ACH = Allgemeinchirurgie) verlegt. Bei ihr wurde ein Pancoast-Tumor operiert, bei dem u.a. mehrere Rippen bzw. Rippenteile resiziert wurden. Die Patientin hatte noch eine Thoraxdrainage (Bülau-Drainage), einen Blasenkatheter, einen ZVK (zentraler venöser Zugang, der direkt vor dem Herzen mündet) und wurde parenteral Ernährt (d.h. mit Nährlösungen, also keine orale Nahrungsaufnahme). Wasser und Tee durfte sie selbstständig trinken. 4 Liter Sauerstoff liefen immer über eine Nasenbrille, ohne den es zu leichter Dyspnoe kommen würde. Ihr Allgemeinzustand konnte man als schlecht beschreiben. Mobilisiert werden konnte sie noch nicht. Vorerkrankungen waren bis auf das Lungen-CA keine relevanten bekannt. Normalerweise bleiben solche Patienten noch ein oder zwei Tage länger auf ITS, die brauchten jedoch Platz für “kritischere” Patienten und OP´s.
Der Ehemann war sehr nett und kam jeden Tag für mehrere Stunden vorbei. Ich traf ihn auf dem Stationsflur, wo er sich verabschiedete und noch anmerkte, dass seine Frau momentan auf der Bettpfanne wäre und gleich wohl Hilfe benötigen würde.
Nach ca. einer viertel Stunde klingelte es in ihrem Zimmer und ich ging hin. Die Pat. lag massivst luftnötig im Bett, hatte sich selbst per Bettgalgen von der Bettpfanne abgehoben. Sie konnte kaum reden, so stark war die Luftnot. Ich hob sofort das Kopfteil an wobei mir auffiel, dass der Sauerstoffschlauch in ihrem Rücken abgeklemmt war. Also ordnete ich den Kabelsalat wieder und redete die ganze Zeit beruhigend auf die Frau ein. Nach kurzer Zeit besserte sich die Symptomatik etwas, also ging ich kurz raus, informierte die Stationsschwester, was geschehen war und fragte ob ich sie mobilisieren dürfte, da das heute eh geplant war und ich sie so auch besser waschen könnte (es war einiges “daneben” gegangen).
Ich durfte, also schnappte ich mir die Waschsachen und ging ins Zimmer zurück. Mitlerweile war nur noch eine leichte Dyspnoe vorhanden. Also bezog ich die Bettwäsche neu und gab ihr so noch etwas Zeit zum Ausruhen bis zum Aufstehen. Sie fühlte sich dazu in der Lage, die Luftnot war stetig besser geworden. Schmerzen gab sie nur in dem Bereich der Brust an, an dem sie operiert worden war. Der Blutdruck war auch okay, also half ich ihr beim langsamen aufstehen und führte die pflegerischen Aufgaben durch (hier erspare ich euch einige Details…
).
Insgesamt lief das ganz gut und nach fünf Minuten war ich fertig und half ihr zurück ins Bett. Sie war jetzt etwas erschöpft und wollte etwas schlafen.
Das ganze war so gegen 16 Uhr.
Am nächsten Tag kam ich zum Frühdienst und erfuhr in der Übergabe, dass die Patienten um 21 Uhr wieder luftnötig wurde, sie auf die kardiologische Überwachungsstation verlegt wurde und nach einer weiteren Stunde in die Uniklinik. Herzinfarkt (NSTEMI= Keine EKG Veränderungen, aber laborchemische Marker [Troponin I] positiv). PTCA.
Ich hab mir schon einige Vorwürfe gemacht, da ich an diese Kombination hätte denken müssen: Anstrengung, Z.n. größerer OP, Immobilität + Risikofaktoren, Symptomatik.
Ich hab die Schmerzen in der Brust jedoch nur auf die OP Wunde bezogen und nicht weiter nachgedacht, was sonst noch Grund für die Zustandsverschlechterung gewesen sein könnte. Allerdings waren diese Schmerzen auch nicht stärker als sonst auch. Der Infarkt hätte also auch erst um 21 stattgefunden haben können. Das wird man nicht mehr rausfinden können.
Von der Stationsleitung hab ich auch keine weiteren Anweisungen erhalten (als ich sie über die Dyspnoe etc. informiert hatte). Das lasse ich aber nicht als Argument gelten. Alle haben mir bescheinigt, richtig gehandelt zu haben aber ärgerlich ist es doch, da eine Therapie schneller hätte eingeleitet werden können, wenn nochmal Blutwerte kontrolliert worden wären.
Was man (ICH!) daraus lernt: “Wer Läuse hat, kann auch Flöhe haben…”
Verfasst von krankenhausblogger 






