So, am zweiten Tag fings genauso an, wie auch am ersten, d.h., noch mehr Krankmeldungen. Insgesamt fehlen jetzt 5 Kräfte, +3 im Urlaub. Für mich bedeutet das, rein ins kalte Wasser, kaum Chancen auf eine ausführliche Anleitung.
Also wieder Kittel zumachen, steril anreichen, Geräte anschließen und Material auffüllen. Und bloß nicht näher als 34875678934 Meter in einem 10 qm großen OP-Saal an den Instrumententisch kommen… *grrr*.
Ja, ich weiß, dass alles neu gedeckt werden muss, wenn da jmd. dran kommt aber ich bin NICHT DUMM!
Und wenn ich sehe, wie nah manche Schwestern und Ärzte… ich will gar nicht weiterschreiben.
Die erste Patientin heute morgen war ein kleines Mädchen, 8 Jahre jung, aus Angola. Dort hatte sie sich vor einige Monaten die komplette vordere und seitliche Thoraxpartie verbrannt ( ~20% KOF). Armes Ding… 
Die Halspartie war auch verbrannt, jedoch mitlerweile vollständig granuliert und durch das Narbenkelloidgestrafft. Die Haut zieht so den Unterkiefer herunter, sobald das Mädchen den Kopf hebt. Man kann sich das so vorstellen, als wenn man das Kinn auf die Brust legt und das Kinn mit dem Brustbein vernäht. Das macht natürlich eine Reklination des Kopfes unmöglich, d.h. erschwerte/unmögliche konventionelle Intubation. Begriffe wie Fiberoptische Intubation etc. fielen, doch dann kam der Chefarzt, und steckte den Tubus einfach blind in die Trache… beeindruckend.
Aber bei einer solchen Patientin ist die Medizin erstmal nebensächlich, bei so einem Anblick blutet einem das Herz. Aber zum Glück konnten Kontakte in unser Haus zur Plastischen Chirurgie geknüpft werden und dem Kind so geholfen werden. Das wird zwar noch ein weiter weg aber die ersten Schritte sind getan.
Als nächstes noch ein Beispiel der Ignoranz von Ärzten gegenüber Pflegekräften bzw. Schülern. Bei Patienten, die eine OP in Lokalanästhesie bekommen, wird manchmal Midazolam (Dormicum) zur Sedierung (Beruhigung) gespritzt. Eine Ampulle enthält 1ml mit 5mg Wirkstoff. Die Herren Doctores möchten das in einer 2!! ml Spritze aufgezogen haben. Hab ich gestern auch gemacht. Und dann durfte ich mir unter den sterilen Tüchtern einen abwürgen, um (Zitat) „2 Teilstriche“ zu injizieren. So ein Blödsinn. Das ist unnötige Millimeterarbeit. Ich schlaues Kerlchen (Achtung! Ironie!) geh also heute hin und zieh den ganzen Kram in einer 10 ml Spritze + 9 ml NaCl auf. Der geneigte Leser mit Mathe-Leistungskurs errechnet nun folgende Dosierung:
1ml/5mg WIrkstoff + 9 ml NaCl (zum Verdünnen) = 10ml mit 5 mg Wirkstoff = 1ml mit 0,5 mg bzw. 2 ml mit 1 mg Wirkstoff
Somit kann man gemütlich 2 ml spritzen, um 1 mg Dormicum in den Patienten zu kriegen (Das ist die Standarddosis am Anfang, wenn auch bei den meisten Patienten eher homoöpathisch/aber cave!: alte Patienten kann man auch mit wenig Dormicum wunderbar abschießen). Alles also ganz easy, große Skalierung und so. Haste fein gemacht, denk ich. Denkt aber nicht Frau Doktor. „WAS IST DAS? DAS SPRITZE ICH SO NICHT!“
Muss wohl ziemlich blöd geguckt haben, hab dann aber einen Erklärungsversuch gestartet, der grandios in völliger Ignoranz seitens der Studierten endete. Gut, dann eben nicht, nochmal alles neu aufgezogen und den Spruch „Man muss das immer so machen, wies immer gemacht wurde.“ im geiste kopfschüttelnd vollkommen ignoriert.
Bei sowas brauch ich selber was zu Sedierung….
Als Anästhesist rechnest du dich an Katecholaminen und Perfusoren dumm und dämlich und für Frau Chirurgin ist das kleine Ein-mal-Eins ein Kündigungsgrund. *grrr*