Relax, don´t do it!

Oktober 31, 2008

Diese berühmte Liedzeile kam mir in den Sinn, nachdem einer Patientin bei der Einleitung als erstes statt einem Opiat ein Muskelralaxanz injiziert wurde…
Das hatte dann zur Folge, dass sie bei vollem Bewußtsein all ihre Muskelkraft verlor. Kein Blinzeln, kein Atmen, kein gar nix. Glücklicherweise wurde das sofort erkannt und die Vollnarkose zügig eingeleitet. Stell ich mir, entschuldigt, ziemlich beschissen doof vor…

Die Patientin hatte nach dem Aufwachen keinerlei Erinnerung an diese Situation.


„Sandmännchen himself!“ und „Stresssandmännchen“

Oktober 28, 2008

Stress in der Anästhesie? Das passiert nur in 5-10% der Arbeitszeit, doch dazu später mehr…

Ich war heut schon ne viertel Stunde vor Dienstbeginn im OP und dementsprechend allein. Also erstmal wieder die OP-Säle vorbereitet: Perfusorspritzen mit Propofol aufgezogen, dazu noch Narkosemittelchen wie Relaxanzien und Notfallmedikamente wie Akrinor (steigert den Blutdruck) und Atropin (erhöht die Herzfrequenz). Von beidem hätte ich kurz vor Feierabend nichts benötigt, doch dazu, wie gesagt… später mehr ;-) .
Dann neue Beatmungsmasken + Filter an die Narkosegeräte anschließen, Infusionen fertig machen, Laryngoskopeüberprüfen (wird für die Intubation benötigt), Verbrauchsmaterial kontrollieren und ggf. auffüllen etc. . Schön piano zum wachwerden.
Heute stand viel gynäkologisches auf dem Programm: Laparoskopische Hysterektomien (Gebärmutterentfernung mit der „Schlüssellochmethode“) mit dem Chefarzt der Gyn. Ich will hier nicht groß über den Charakter mancher Chefärzte lamenteieren aber jeder der im Krankenhaus arbeitet kennt sie. Dieser ist so einer…
Alles in allem wieder ein interessanter Arbeitstag. Durfte meine erste Narkose selber einleiten. Schönes Gefühl den Patienten selber schlafen zu legen. Von mir gabs erstmal ne G18 (Größenangabe / G18 ist der Standard) Viggo in den Handrücken, daran per Drei-Wege-Hahn ne Infusion und die Perfusorspritze mit Propofol. Der Anästhesist hat präoxigeniert (Sauerstoff / O2) vorgehalten um das Blut mit mehr O2 anzureichern und ich hab erstmal 0,5 ml 1%iges Lidocain gespritzt. Das ist ein lokal schmerzbetäubendes Medikament, da das Propofol auf Grund seiner Zusammensetzung (Sojamilchbasis) Venenreizend ist und ein brennendes Gefühl im Arm des Patienten hervorruft. Da die Patientin bloß 55kg wog, gabs dann von mir 0,015mg (3 ml) Sufenta (Sehr starkes Opiat) und über den Perfusor 180 mg Propofol. Zusätzlich die restlichen 1,5 ml Lidocain. Komisches Gefühl einen Patienten quasi zu töten. Denn Narkose heisst auch Atemstillstand, und das hatte die Patientin jetzt :-) . Also Beatmung durch den Anästhesisten und da sie sich, wie zu erwarten war, gut beatmen ließ, spritze ich jetzt 17,5 mg Atracurium (7ml) zur Muskelrelaxierung um optimale Bedingungen für die Intubation und den Operateur zu erreichen. Fertig war meine erste eigene Narkoseeinleitung. Mitlerweile komm ich auch ganz gut mit der Dosierung bei der Einleitung zurrecht. Die nächsten Tage guck ich mir dann mal genauer an, mit welchen Medikamenten und Dosierungen die Narkose dann auch aufrecht gehalten wird. Denn: besser ist das. Blöd, wenn man aufwacht und der Chirurg den Magen in der Hand hat… :D .

Als letztes stand dann noch eine Sectio (Kaiserschnitt) auf dem OP-Plan. Ich hab bei der Anlage einer Peridualanästhesie assistiert und dann bei der OP zugeguckt und einem Mittelkursschüler, der seinen ersten OP Tag hatte ein wenig erklärt, da ich selber schon einige gesehen hab. Alles lief gut. Bis zum Ende. Die Gynäkologen hatten Probleme das Neugeborene fast Neugeborene aus dem Mutterleib zu kriegen. Das kann schonmal öfters passieren, jedoch dauert es meist nur einige Sekunden länger. Heute blieb es nicht bei Sekunden. Die Operateure wurden hektisch, es blutete stärker als sonst, das Kind war immer noch nicht raus. Dann kamen zwei Beinchen zum vorschein, dann ein Arm, der andere auch. Aber der Kopf blieb stecken. Jetzt waren schon einige Minuten mehr verstrichen als eigentlich tollerierbar. Aber was will man machen? Es wurde am Kind gezerrt und gezogen und ein paar Momente später war´s raus. Endlich. Da ich am Kopfende keinen Meter hinter dem OP Gebiet stand hatte ich beste Sicht. Und selbst für mich war klar, das jetzt richtig Stress aufkommen würde. Der Junge war nicht nur total leblos, ohne Muskeltonus, er gab keinen Mucks von sich. Die Hautfarbe war nicht mehr nur blitzeblau, sondern fast schon weiß, Zeichen einer massiven Sauerstoffunterversorgung. Schnell wurde abgenabelt und das jetzt Neugeborene durch die Hebamme und den Anästhesisten und mir ein paar Räume weiter in den Neugeborenenbehandlungsraum gebracht. Ich rannte hinterher. Kurze Inspektion des Jungen: Atemstillstand und eine Herzfrequenz unter aller Kanone. Reanimationspflichtig. Der Anästhesist fing an das Kind zu beatmen, der hinzugekommene Gynäkologe führte mit zwei Fingern die Herzdruckmassage durch. Hektik. Das Reanimationsteam der Intensivstation wurde angerufen. Dann nach „nur“ knapp einer Minute fing das Baby plötzlich an zu schreien. Erste Erleichterung bei den Ärzten und natürlich auch bei mir, obwohl ich nur zugeguckt habe. Das Neugeborene schon mal etwas „Anstoß“ zum Atmen brauchen war mir bekannt und habs auch oft gesehn. Aber ein wiederbelebungspflichtiges Neugeborenes noch nicht. Gegen so eine Situation sind Akrinor und Atropin (s.o.) bloß Hustensaft. Kurz zur Erklärung: durch die lange „Geburtszeit“ wurde das Kind längere Zeit nicht mehr mit Sauerstoff versorgt, zusätzlich verbraucht es aber durch den enormen eingenen Stress (stellt euch mal vor, man reisst euch nach 9 Monaten im warmen, nassen Wohnzimmer raus ins grelle Licht und die Kälte mit all dem Lärm… ;-) ) sehr viel Sauerstoff. Durch den entstandenen O2-Mangel kommt er zu einer Bradykardie (langsamen Herzfrequenz). Wird dieser Mangel nicht behoben, hört das Herz ganz auf zu Schlagen und das Neugeborenen stirbt.

Nach 10 Minuten hatte sich das Kind jedoch soweit stabilisiert (SO2 von jetzt knapp 90%) , dass Entwarnung gegeben werden konnte. Der Junge ist wohl auf und mitlerweile bei den glücklichen Eltern, die von der ganzen Hektik zum Glück nix mitbekommen haben. Für mich war das genug Aufregung, gut dass ich direkt danach Feierabend hatte ;-) .

Morgen ist erstmal ein Tag Schule, ganz ohne Hektik… Mehr gibts Ende der Woche.


Sandmännchen

Oktober 27, 2008

Wie angekündigt hatte ich heute den ersten Tag in der Anästhesie. Doch zunächst die Routineprozedur, die bei jedem neuen Einsatz fällig wird: Sich 983685763 Menschen vorstellen…

Nachdem das geschafft war rein in die blaue Gyn-OP Kleidung und ab in die Einleitungräume. Doch wo sind die Patienten. Keine Kundschaft weit und breit. Also erstmal Zeit sich mit den Schubladen und Narkosegeräten vertraut zu machen. Ist immerhin schon über ein halbes Jahr her, dass ich dort war. Also Narkosewagen bestückt, Beatmungsfilter und Masken auf die Schläche gesteckt und da immer noch nix zu Operierendes anwesend war, wurden schonmal die nötigen Medi´s für den Tag aufgezogen. Insg. mehrere dutzend Spritzen mit Atracurium (Muskelrelaxanz), Sufenta (Analgetikum) und Propofol (Hyptnotikum) aufgezogen, mit Namensklebchen geschmückt und ab in den Kühlschrank. Dann kam dann doch die erste Patientin. Es war die erste von fünf Schilddrüsenektomien (= Entfernung) wegen Vergrößerung bzw. Karzinom (Krebs :-( ). Im Parallelsaal liefen eine Sectio (Kaiserschnitt) und danach mehrer Gebärmutterentfernungen. Insg. ein ruhiger Tag, mit viel Gelegenheit wieder in die Arbeit in der Anästhesie reinzukommen. Hier und da durfte ich ne Viggo legen und auch beatmen, was auch relativ zügig wieder gut geklappt hat. Ich hab ja noch 3 Wochen Zeit, an meinen „Skills“ zu arbeiten. Ich will meine Beatmungskenntnisse wieder etwas auffrischen, nachdem ich bei der letzten REA im RD doch einige Schwierigkeiten hatte (Schei** Vollbart). Da ich für meine Azubikollegen noch eine PowerPoint Präsentation über die Beatmung und Intubation erstellen soll, werde ich vll hier auch mal etwas genauer auf das Thema der Maskenbeatmung und Intubation eingehen und nen Artikel verfassen.
Ich werd jetzt das Glossar (oder „den“ GLossar??) etwas überarbeiten und dann chillen, bin hundemüde, hab wohl etwas zu viel Narkosegas abbekommen :D


Fazit

Oktober 24, 2008

Gestern hatte ich meinen letzen Spätdienst in der Psychiatrie. Leider. Insgesammt fand ich den vier wöchigen Einsatz sehr lehrreich und interessant. Anfängliche Ängste, wie man mit psychisch Erkrankten Menschen in Kontakt tritt konnte ich zügig ablegen. Das lag u.a. auch am Stationsteam. Die waren immer bemüht meine Fragen zu beantworten und mich in allen Belangen zu unterstützen. Das hab ich in der Somatik bisher nicht immer so erlebt. Also: Dickes Lob! Was auch sehr angenehm aufgefallen ist, ist die anfallende Arbeit. Eigentlich ist es keine Arbeit in dem Sinne, wie man sie aus der Somatik kennt, sondern eigentlich mehr intensives Babysitten Betreuung. Man hat oftmals Leerlauf, da anfallende Routineaufgaben durch die große Personalstärke ratz fatz erledigt sind.

Alles in allem also auch noch ein entspannter Einsatz, in dem ich selten auf allen vieren oder dem sprichwörtlichen Zahnfleisch nach Hausegegangen bin. Zum Abschluss wurde ich auch gefragt, ob ich mich später für die Station bewerben würde. Warum eigentlich nicht? Man verdient das selbe Geld wie in der Somatik, hat dafür aber wesentlich weniger Stress. Zur Wartesemesterzeitüberbrückung nach dem Examen also durchaus eine Überlegung wert. Meine Beurteilung (Note 1, sorry, dass musste jetzt raus :D ) werd ich auf jeden Fall für eine Bewerbung aufbewahren…

Jetzt genieße ich erstmal 3 freie Tage. Ab Montag gehts dann in die Anästhesie.


Rapante Rapante!

Oktober 20, 2008

Für den, der ihn noch nicht kennt: der Maulwurfn – blind, cholerisch, leicht debil und mit einem saugeilen Sprachfehler gesegnet:

Klasse!!


Und weiter geht´s…

Oktober 20, 2008

So, die Neuinstallation war dann doch etwas komplizierter als vermutet. Da mein DVD-Laufwerk den Dienst quittierte, musste erst Ersatz beschafft werden. Letzendlich hab ich jetzt den Installationsmarathon hinter mir und kann wieder posten…

Ich war heute im OP und hab mit den Bereichsleitungen des OP und der Anästhesie gesprochen. Ab nächster Woche bin ich im OP eingesetzt und das Krankenpflegegesetz sieht vor, dass man 4 Wochen im OP eingesetzt wird. Bei uns im Haus war es bisher so, dass man 3 Wochen Springer im OP ist und eine Woche der Anästhesie über die Schulter schaut. Ich hab dann meinen Chef gefragt, ob es möglich ist, das ganze zu tauschen. Und nach Rücksprache geht das auch so in Ordnung. Für mich heisst das konkret: weniger rumnörgelnde OP-Schwester, die eh nur denken man mache alles unsteril und dafür mehr Möglichkeiten, meine „Hardskills“ (immer diese Anglizismen) zu verbessern.
Da ich schonmal in der Anästhesie hospitiert habe und auch noch ein paar „Connections“ (Anglizismus #2) habe, werde ich bestimmt mehr dürfen, als der „Otto-normal-Krankenpflegeschüler“. Man wird sehen…


VIRUS!

Oktober 18, 2008

So, nach den Providerproblemen hab ich mir jetzt auch noch nen fiesen Virus gefangen. Also nicht ich, sondern der PC. Die Therapie ist infaust, die Palliativmaßnahmen sind ausgeschöpft, jetzt hilft nur noch die aktive Sterbehilfe: Formatierung!

Anschließend erfolgt die Reanimation durch Installation von Windows Vista und den ganzen Medikamenten (Programme), die man so braucht. Dafür hab ich mir gestern u.a. extra die Office 2007 Student Version gekauft. Man darf also gespannt sein… (zumindest bin ich es :-) )

In diesem Sinne, stelle ich nun die Geräte ab…

Zeitpunkt des Todes – 16:00 UHR


Spruch des Tages

Oktober 18, 2008

Weibliche Intuition für Anfänger:

Die Frau rät was der Mann sagen will,
sagt es selber und
unterstellt es ihm dann.

Das kennen wir (Männer wie du und ich) doch irgendwoher, oder…? ;-)


Nennt mich Kasparow!

Oktober 17, 2008

Sieg! Hatte gestern Schleusendienst (d.h. Pat. mit Ausgang rauslassen und kontrollieren wer reinkommt etc. – bin ja auf einer „geschlossenen“ Station) und bin von einem Patienten zu einer Partie Schach herausgefordert worden. Nach hart umkämpften 1 1/2h konnte ich den letzten Bauern (meinen!) in eine Dame umtauschen und den Sieg nach Hause fahren! Für mich war es die erste Partie Schach seit mindestens 8 Jahren…
Für einen Großmeister kein Problem.

Ob ich wohl größenwahnsinnig werde? Falls ja, bin ich auf meiner Arbeitsstelle richtig aufgehoben ;-)


Ein Vormittag in der Psych-Aufnahme

Oktober 17, 2008

So, der letzte Beitrag ist schon etwas her, was auf Netzprobleme mit meinem Provider zurückzuführen ist.
Mal wieder… Danke ARCOR. Ich ha*** diesen Verein… Egal, anderes Thema.

Zurück zum Thema. Ich war heute von 9-12 Uhr im Aufnahmezimmer der Psychatrie. Im Grunde ist das eine Art Zentralambulanz für angemeldete und Notfallpatienten. Ich hatte Glück, es war ordentlich was zu sehen. Zunächst kam ein Patient, der auf meiner Station vor 10 Tagen entlassen worden war und nun wieder eine Entgiftung machen möchte (C2-Abusus [vollständig C2H5OH] = Alkohol). Es hatte sich nicht viel geändert: 9.30 Uhr, geschätzte 2,8 Promille. Guten Morgen!
Dumm war nur, dass kein Bett im Haus zur Verfügung stand. Jetzt wurd unser Patient ungemütlich. Er hätte ein Recht auf eine Therapie und überhaupt auf alles, inklusive Zimmermädchen und Minibar. Normalerweise geht das bei mir links rein und rechts wieder raus. Und er fliegt raus. Aber der Umstand das es sich um einen bekannten Gewaltverbrecher, der 8 Jahre Haft in der JVA wegen Totschlags abgesessen hatte, verkomplizierte die ganze Sache ungemein. Also schön auf Schmusekurs gehen und auf Station schieben, sollen die sich mit dem rumschlagen…

Nächster Kunde. Sehr angespannt, nervös. Die Ärztin stellt sich vor und fragt nach dem Anliegen. Der Patient fängt an zu quasseln. „Er wäre da in etwas hineingeraten, in das er eigentlich nie hätte kommen können, denn er sei ja so ein netter Man.“ Auf mehrmalige Nachfrage was denn jetzt los sei, erzählt er die Story. Er ist von 2 Männern verprügelt und mit Steinen beworfen worden, einfach so. Und jetzt hat er ne Klage wegen Körperverletzung am Hals. Dabei hat er doch gar nix gemacht! Skandal!
Also nochmal die Frage: „Haben sie denn keinen Grund geliefert, dass diese Männer sie angegriffen haben?“
Natürlich nicht, denn die kennen die Frau, die er kurz vorher geschlagen hat, ja gar nicht… Hm…
Alles klar, armer Kerl. Ne Frau schlagen und dann selber auffe Fresse kriegen, so hat er sich das natürlich nicht gedacht. Aber das is ja gar nicht das Problem, das Problem ist der Gerichtstermin für 13 Uhr. Und jetzt, 10 Uhr, will er doch von der Ärztin ein Attest haben, dass er dort nicht erscheinen kann, weil er so unglaubliche Angst hat. Ja ne, is klar. Natürlich verweigert die Ärztin diese Bescheinigung, woraufhin unser Gast sichtlich wütend wird und anfängt, uns zu beschimpfen. Vor allem die Ärztin kriegt ihr Fett weg: „Frau Doktor, sie sind doof. Aber beleidigen will ich sie damit nicht…“ Frau Doktor bedankt sich für das Kompliment und wirft den Kerl raus. Jetzt dreht er durch. Er springt auf, ich springe auf und stelle mich zwischen Ärztin und ihn, mein Kollege kommt zu Hilfe. Wir hatten sowas schon geahnt. Schlagen will er sich mit uns nicht, er läuft zu Tür raus, wirft Infoständer um, knallt Türen zu und demoliert vor dem Haus ein Fahrrad. Wir rufen die Polizei.

Der Richter wird bestimmt schon wieder Unrecht über den armen, armen Mann sprechen…