… hatte ich mal wieder vor 10 Tagen. Um es vorweg zu nehmen: 4 Einsätze, davon 2 Notfalleinsätze. Also alles sehr ruhig.
Der erste Einsatz beendete unseren Besuch auf der NEF Wach und führte uns 1km weiter. Gemeldet war eine “TIA”, eine Abkürzung für “transitorische ischämische Attacke” womit unsere Leitstelle öfters versucht uns eine neurologische Erkrankung aufzuschwatzen. Vor Ort bestätigte sich jedoch der Verdacht, jedoch war die Ursache eine andere (die bei diesem Krankheitsbild gar nicht mal so selten ist): Hypertonie. Mit Drücken um die 190 ging es in das 3 Minuten entfernte Krankenhaus. Danach durfte der Praktikant noch die Trage putzen, da der Blutdruck wohl auch etwas gegen die Nudelsuppe hatte, die jetzt fast unverdaut auf unserer Trage lag… 
Dann piepste es zum nächsten “Notfall”. Als der Text auf das Navi kam und ich die Meldung las, konnte ich mich wirklich nicht mehr halten: “demente Omi aus KH entlaufen – geht die mal suchen und wieder einfangen”. Da mein Kollege grade aber die Leitstelle anfunkte, konnte jeder im Kreis mein herzhaftes Lachen hören, was der Disponent, der mich kennt, zum Anlass nahm und uns postwendend nach Abschluss des Einsatzes einen Krankentransport aufdrückte.
Nicht so schlimm, denn auf dem Rückweg kamen wir an mehreren Eisdielen vorbei und entschieden uns, dort doch kurz zu verweilen… Ich traf einen Freund mit dessen besseren Hälfte und während wir da so saßen, uns die Sonne auf den Pelz scheinen ließen, das Eis genossen und ein wenig plauderten, piepste es zum ersten und letzten wirklichen Notfall. Also schnell verabschiedet, rein in´s Auto und die 3 gedrückt. Meldung “Krankentransport”. WTF??? Schon wieder? Dann wurden wir durch die LST mit Frage Standort angefunkt. Denn es hatte 2 km weiter einen Verkehrsunfall mit 2 PKW gegeben und es war nicht so ganz klar was wir jetzt machen sollten. Schließlich wurden wir dann 10 km weiter geschickt zu “Verbrennung, Hausarzt vor Ort
. Nicht ganz klar war zunächst was schlimmer war, die Verbrennung oder der Hausarzt
.
Nach 7 Minuten konnte ich die vier drücke, schnappte mir Handschuhe und ging auf die Haustüre zu, während ich mir die Handschuhe anzog und sich mein Kollege sowie der Prakti Sauerstoff, Rucksack und Defi schnappten. Der Patient kam mir auf wackeligen Beinen allerdings schon in Begleitung seiner aufgeregten Frau und der gelangweilten Ärztin entgegen. Also direkt ohne Umwege in den RTW und erstmal mit der Anamnese angefangen. Beim Wechsel einer größeren Propangasflasche hatte er vergessen, den Lötkolben zu entfernen. Es kam zu einer größeren Verpuffung in deren Folge er einer Stichflamme ausgesetzt wurde. Ergebnis der ersten oberflächlichen Sichtung: Verbrennung ersten und zweiten Grades an den Händen (Die Haut hin ihm wie zerfetzte Handschuhe von den Fingern). Das Gesicht war ebenfalls zum größten Teil erstgradig Verbrannt, die linke Gesichtshälfte zum Teil zweitgradig. Die Haare und Wimpern waren versengt, also inspizierte ich auch den Mund/Rachenraum auf beginnenden Ödembildung/starke Rötung (Folge eines Inhalationstraumas, was sehr schnell, sehr böse Probleme mit der Atmung machen kann -> Erstickung durch Atemwegszuschwellung).Zusätzlich versorgte mein Kollege die Hände mit dem Burnpack®-Verbandsmaterial, was kühlend wirkt und kühlte es zusätzlich mit Infusionslösungen.
Mein Kollege wollte aufgrund der Kreislaufsituation einen Zugang legen, die Hausärztin hielt das zunächst nicht für indiziert…
*ironie*. Auf die Frage, was sie denn gegen die Schmerzen geben wollte fragte sie nach den vorhandenden Analgetika. “Ketanest hammwa!” Das kannte sie nicht, also gabs auch nix (Meinen Dosierungsvorschlag nahm sie nicht an, ist aber auch nicht schlimm, ich würde als Arzt auch nicht etwas spritzen was ich nicht kenne). Dafür wollte sie dann aber eine HES anhängen, die aber bei Verbrennung ganz klar kontraindiziert ist (Eiweiße der Lösung gehen in das Verbrennungswundgebiet und sorgen da durch ihr “Flüssigkeitsanziehende Wirkung” für eine Ödembildung und das wollen wir ja nicht). Also kurz nachgefragt ob es mit den Schmerzen geht, der Patient äußerte nur leichte Schmerzen also gings mit Sonderrechten in die Uniklink, die als einzige im Umkreis über ein Verbrennungszentrum verfügt. Das ist indiziert, sobald eine bestimmte Größe der Körperoberfläche verbrannt ist. Das traf auf unseren Patienten zwar nicht zu, jedoch ist ein Transoprt auch bei Verbrennungen von Gesicht und gelenksnahen Köperpartien indiziert (= Hände).
Übergabe im Verbrennungszentrum, zurück auf die Wache und Pokalfinale geguckt. Die Nacht durften wir durchschlafen. Insgesammt eine der ruhigsten Schichten die ich je hatte.
Verfasst von krankenhausblogger
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